Zweitligist SC Paderborn schießt zu wenig Tore - Kann Manno helfen?
Paderborn (WB). Paderborns Problem ist bekannt. Direkt nach der 0:1-Niederlage in Aue versuchte Trainer Andre Schubert das Dilemma mal in einem ganz einfachen Satz zu erklären: »Wenn wir es im Spiel nicht schaffen, den Ball mal auf das Tor zu bekommen, dann können wir auch keins schießen.«
Paderborns Angreifer Sören Brandy verzeichnete beim 0:1 in Aue keinen gefährlichen Abschluss. SCP-Kapitän Markus Krösche mit den Stürmern Gaetano Manno, David Jansen und Nejmeddin Daghfous .
Das hört sich an wie das ganz kleine Fußball-ABC, bringt es aber auf den Punkt: Die Paderborner Zweitliga-Offensive, mit 16 Treffern in 18 Spielen auf dem drittletzten Platz, schießt mal rechts daneben, mal links vorbei und auch mal drüber. Immer mit vollem Risiko. Nur die Grundvoraussetzung, um ein Spiel zu gewinnen, erfüllt sie viel zu selten. »Selbst wenn wir zehn Mal nur um wenige Zentimeter das Tor verfehlen, ist der Ball unterm Strich zehnmal nicht drin«, moniert Schubert, für den Aufwand und Ertrag in einem krassen Missverhältnis stehen.
Gute Beispiele lieferten am Dienstagabend im Erzgebirgsstadion auch Sören Brandy und Philipp Heithölter. Brandys Fallrückzieher (44.) war zwar eine absolut sehenswerte Aktion. Die Effektivität lag aber bei null, denn der Ball ging weit übers Tor. Philipp Heithölter (69.) zog nach Zuspiel von Jens Wemmer direkt ab und verfehlte (natürlich) auch das Tor. Dieser Abschluss war zwar ein Hammer, Schubert selbst hätte sich mehr Präzision gewünscht. Sein Vorschlag für die Zukunft: »Lieber mal zehn km/h weniger als mit 300 km/h die Lampen im Stadion abzuschießen.«
Von einer neuerlichen Knipser-Diskussion hält der Trainer indes nichts, Schubert nimmt wieder einmal sein Team in die Pflicht: »Es geht nicht um einzelne Spieler. Wir müssen insgesamt auf den Offensivpositionen torgefährlicher sein, Abschlüsse suchen und finden - und am Ende der Kette auch das Tor treffen.« Eine erste Konsequenz zog Schubert schon direkt nach den 90 Minuten: »Wir werden künftig nur noch Spieler aufstellen, bei denen wir das Gefühl haben, dass sie torgefährlich sind.«
Mit Blick auf das Spiel am Freitagabend (18 Uhr, Energieteam-Arena) gegen den seit zehn Spielen ungeschlagenen Tabellenführer FC Augsburg könnte es Brandy treffen. Die zweite Spitze neben Edmond Kapllani hatte zwar auch in Aue eine ganze Reihe guter Aktionen, Sachsens Schlussmann Martin Männel musste nach diesen Aktionen aber kein einziges Mal eingreifen. Die Quote von Kapllani war zwar auch nicht wesentlich besser, Paderborns torgefährlichster Spieler (fünf Treffer) erfüllte aber eine Minimalforderung des Trainers: Er war läuferisch sehr viel stärker als zuletzt und arbeitete 90 Minuten für die Mannschaft.
Sollte sich Schubert gegen Brandy entscheiden, wäre Gaetano Manno die erste Alternative. Der Deutsch-Italiener saß zuletzt viermal in Folge nur auf der Bank, brennt aber nach langer Verletzungspause (Kreuzbandanriss, Meniskuseinriss) auf sein Comeback. Nur eins ist Manno auch nicht: ein Torjäger. Eine weitere Alternative wäre Rolf-Christel Guié-Mien. Der Kongolese ist einer der besten Fußballer im Team, tut sehr viel für den Spielfluss, ist im Abschluss aber schwach. Wie eben die meisten im SCP-Dress. Von Paderborns Startelf am Dienstagabend in Aue gelang es mit Kapllani (5), Wemmer (2), Mohr (2) und Brandy (2) nur vier Spielern, den Ball beim Gegner über die Torlinie zu bringen. Auch das ist bezeichnend für den bisherigen Saisonverlauf.
Westfalenblatt-Artikel vom 20.01.2011
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