Die Baskets erwarten Osnabrück: Ben Spöler trifft erstmals in einem Pflichtspiel auf Zwillingsbruder Tom
Paderborn (WV). Ben und Tom Spöler (22) sind eigentlich unzertrennlich. Die beiden Basketballer haben fast ihr gesamtes Leben zusammen verbracht. Seit einer Saison gehen sie getrennte Wege, zumindest sportlich: Ben spielt für die Webmoebel Baskets, Tom für Ligarivale Osnabrück. Am morgigen Freitag (20 Uhr, Sportzentrum Maspernplatz) treffen die Brüder erstmals in einem Punktspiel als Gegner aufeinander. Vorab stellten sie sich den Fragen von WV-Volontärin Sonja Möller.
Sie haben von klein auf immer zusammen in einer Mannschaft gespielt. Mit dem Wechsel nach Paderborn und Osnabrück haben sich Ihre sportlichen Wege erstmals getrennt. Die richtige Entscheidung?Ben Spöler: Für unsere persönliche Entwicklung auf jeden Fall. Jeder macht jetzt mal sein eigenes Ding. Spielerisch war es auch richtig. Wir haben uns gegenseitig immer ein bisschen Spielzeit weggenommen. Am Anfang ist mir die Trennung schon schwer gefallen. Das miteinander Leben hat gefehlt. Aber wir stehen ja täglich in Kontakt.
Tom Spöler: Wir sind schon sehr verbunden. Wir haben ja die ganze Zeit zusammen gelebt, waren in derselben Schulklasse und haben immer zusammen gewohnt, als wir nach Leverkusen gezogen sind. Jetzt ist die Verbundenheit noch da. Wir telefonieren täglich und schreiben SMS. Es war halt klar, dass wir nicht das ganze Leben zusammen in einem Verein Basketball spielen können. Das ist der Lauf der Dinge.
Wo liegen die Stärken des anderen?Ben: Im Distanzwurf. Er ist ein guter Rebounder. Und er hat einen sehr guten Touch.
Tom: Ben ist ein sehr guter Basketballspieler. Er spielt mehr unter dem Korb als ich. Da hat er seine größte Stärke. Und er hat einen guten Wurf von außen.
Und wo die Schwächen?Ben (zögert): Nicht so robust vielleicht.
Tom: Da müssen Sie andere Fragen. Da kann ich als Bruder nichts zu sagen. Oder vielleicht zu viel zu sagen.
Sie treffen jetzt erstmals in einem Punktspiel als Gegner aufeinander. Ein gutes Gefühl? Ben: Das ist für mich ein persönliches Highlight der Saison, erstmals in einem Punktspiel gegen meinen Bruder zu spielen. Ich versuche, mich da nicht zu sehr drauf zu konzentrieren. Klar kommen viele Freunde und Bekannte, die wollen sich das Spiel angucken. Es wird auf jeden Fall interessant. Ich weiß nicht, ob ich Tom von Anfang an decke. Im Spiel wird es bestimmt Situationen geben, in denen wir direkt gegeneinander spielen.
Tom: Wir haben in der Vorbereitung schon gegeneinander gespielt. Das war auf jeden Fall ein bisschen befremdlich. Weil ich das nicht so kenne, höchstens aus dem Training. Das ist eine neue Situation für mich. Während des Spiels wird Ben ein ganz normaler Gegner sein wie jeder andere auch. Ich finde das mal ganz gut. Ich kenne das Eins-gegen-eins ja nur von zuhause. Unter Brüdern wird halt sehr viel gehakt. Da geht es emotional zur Sache.
Vergleichen Sie eigentlich Ihre persönlichen Statistiken?Ben: Nein, eigentlich nicht. Am wichtigsten ist erstmal, dass das Team oben steht, Erfolg hat. Am Anfang lief es für mich nicht so gut, aber jetzt kann ich zufrieden sein mit meinen persönlichen Statistiken. Tom macht einen super Job. Er hat sich von Anfang an richtig gut eingestellt. Das gönne ich ihm.
Tom: Nee. Wir reden ganz offen darüber, wie es für den anderen läuft, über Spiele und so, aber wir haben uns noch nie statistisch verglichen.
Ist der andere am Freitag Ihr Bruder oder Ihr Gegner?Ben: Tom ist in erster Linie mein Gegner. Wenn es hart auf hart kommt, bin ich vielleicht ein Stück weit motivierter, ihn zu stoppen. Ich werde versuchen, dass er keine Punkte gegen mich macht.
Tom: Für zwei Stunden ist Ben mein Gegner. Vor dem Spiel ist er mein Bruder, nach dem Spiel ist er mein Bruder, aber im Spiel ist er mein Gegner.
Sie reden doch bestimmt untereinander über Ihren Sport. Haben Sie Ihrem Trainer schon Tipps gegeben?Ben (schmunzelt): Ich versuche natürlich immer, ein paar Informationen aus Tom herauszukitzeln und versteckte Fragen zu stellen. Ich frage dann, wie es bei den Spielern aussieht, ob da jemand irgendwas hat, aber das merkt Tom natürlich. Da habe ich keine Chance. Dann sagt er: ÝIch kenne den Spieler nichtÜ.
Tom: Ja, also ich habe mit meinem Trainer schon über meinen Bruder geredet und ihm ein paar Tipps gegeben. Das ist ja klar. Keiner kennt Ben von der Spielweise her besser als ich. Da helfe ich so gut es geht weiter. Ich will ja das Spiel gewinnen.
Osnabrück steht in der Tabelle besser da, hat aber von den letzten sieben Spielen nur zwei gewonnen. Die Baskets haben mit sechs Siegen aus sieben Spielen den besseren Lauf. Wer ist denn nun Favorit?Ben: Schwer zu sagen. Am Anfang lief es bei uns nicht gut und bei Osnabrück lief es sehr gut. Jetzt ist es genau umgekehrt. Die haben jetzt einen Trainerwechsel. Das kann ich schwer einschätzen. Fifty-Fifty würde ich sagen. Das wird ein engeres Spiel als die letzten Heimspiele. Die haben wir ja immer deutlich gewonnen, auch gegen gute Gegner.
Tom: Die Paderborner kommen aus einem Lauf. Wir haben uns gerade wieder ein bisschen gefangen. So eine richtige Favoritenrolle gibt es nicht. Paderborn hat besonders nach den Siegen ein starkes Publikum hinter sich. Das wird ein sehr enges Spiel.
Haben Sie gewettet, wie das Spiel ausgeht?Ben (lacht): Noch nicht.
Tom: Nee, haben wir nicht.
Westfalenblatt-Artikel vom 20.01.2011
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