Baskets: Kampf, Krampf, Krimi: Wieder wendet's Wendt
Essen (WV). Als die Entscheidung fällt, hat Lars Wendt längst wieder Entscheidendes geleistet. Mit fünf Fouls bedacht, sieht er von der Bank mit an, wie Trey Hampton in letzter Sekunde den Wurfversuch von Essens Chris Alexander blockt, Ben Spöler sich den Rebound sichert und der 77:76 (44:43)-Zittersieg für die Webmoebel Baskets perfekt ist.
Nach sieben Niederlagen in Serie ist es der zweite Sieg in Serie. Ein fast vergessenes Gefühl für die Baskets. Mehr als eineinhalb Jahre ist es her, dass sie gen Ende der BBL-Saison 2008/2009 an einem Doppelspieltag erst Bremerhaven und dann Ludwigsburg besiegten (17./19. April 2009). Damals machte das Team von Trainer Doug Spradley damit einen Riesen-Schritt in Richtung Play-off-Platz. Diesmal genügen die Erfolgserlebnisse im Doppelpack, um sich von den Abstiegsplätzen der Zweiten Liga zu verabschieden. Dank Matchwinner Trey Hampton, aber eben auch und erneut dank Lars Wendt. Vor einer Woche gegen Würzburg sorgte er mit fünf Punkten in Folge für die Entscheidung, am Samstag gegen Essen brachte er sein Team im letzten Viertel mit sechs Punkten in Folge zurück ins Spiel. »Lars war wieder einer unserer Schlüssel. Er hat uns in einem ganz wichtigen Moment ganz extrem geholfen«, sagte Paderborns Coach Thomas Glasauer.
Den Schlüssel benötigten die Gäste im Duell Viertletzter gegen Zweitletzter, als sie - kurz nach einem Unsportlichen Foul gegen Benjamin Fumey und einem Technischen gegen KeJuan Johnson - zu Beginn des Schlussabschnitts mit 60:68 hinten lagen, nachdem sie in Halbzeit eins schon mit zwölf Zählern geführt hatten (38:26/13.). Die Vorarbeit für den Schlüsselspieler leistete der bärenstarke Ben Spöler. Der machte per Dreier aus acht Punkten fünf Punkte Differenz, ehe Lars Wendt erst mit einem Drei-Punkt-Spiel verkürzte, um die Seinen dann mit einem Treffer aus der Maximaldistanz wieder mit 69:68 in Führung zu bringen. »Ob Lars oder sein heute krank fehlender Bruder Ole - die beiden sind eben immer für etwas Positives gut. Das ist der Wendt-Faktor. Die beiden bewegen sich zwischen Genie und Wahnsinn, aber meistens überwiegt doch das Geniale. Was die mit 18 abliefern und wie wichtig die schon sind, ist erstaunlich«, so der Trainer. 17 Sekunden später ist Wendt mit dem fünften Foul raus.
Seinen Job in Hälfte zwei hatte in Hälfte eins Kyle Roemer ausgeübt. Mit 13 Punkten und fehlerfreier Wurfquote buchte der spätere Topscorer den Löwenanteil an der hauchdünnen Pausenführung. Roemers Punkte waren vor allem deshalb von so großer Bedeutung, weil es den bislang mit Abstand schwächsten Auftritt von KeJuan Johnson zu kompensieren galt. Gehandicapt von einer Hüftprellung aus dem Würzburg-Spiel, fing sich »KJ« drei frühe Fouls, die doppelt schmerzten. Zum einen, weil sein Ersatzmann Ole Wendt aufgrund einer Mandelentzündung zuhause geblieben war, zum anderen, weil auch dessen Zwillingsbruder nicht viel weniger schnell den dritten Foulpfiff kassiert hatte - nur bedingt die Schuld der Schiris. »Da waren vielleicht ein, zwei unglückliche Pfiffe dabei, aber letztlich waren es einfach ein paar doofe Fouls. Da haben wir nicht clever genug gespielt. Das gilt für KJ und auch für Lars«, sagte Glasauer. Der denkt darüber nach, für die dünn besetzten, kleinen Positionen noch einen Akteur nachzuverpflichten und durfte sich in der Endphase in Essen gerade auf die Großen verlassen.
Benjamin Fumey traf per Dreier zum 73:73, Essens Center Kendall Chones per Eigenkorb zum 75:75, ehe Spöler für die Sieg bringenden Zähler sorgte. 2:17 Minuten vor dem Ende ahnte allerdings kaum jemand, dass dieser Korbleger schon mit den letzten Punkten der Partie gleichbedeutend sein sollte. Doch so war's. Der Rest war Kampf, Krampf, Krimi. Essen blieb die letzten 3:35 Minuten ohne Korb, Paderborn besagte 2:17. Neun Angriffe lang demonstrierten beide Seiten, dass sie nicht völlig zu Unrecht noch im Ligakeller zu finden sind. »Hauptsache gewonnen. Nach dem Wie fragt in ein paar Tagen keiner mehr. Das war über weite Strecken nicht gut und deutlich schlechter als gegen Würzburg, aber das alles zählt nicht«, sagte der Trainer.
Stattdessen zählten Wendts Wende und Hamptons Block. »Ich wollte unbedingt ein Foul vermeiden, aber eben unbedingt auch einen Korb. Ich bin unglaublich froh, dass ich an den Wurf noch mit den Fingerspitzen drangekommen bin«, sagte der Matchwinner, der veredelte, was Schlüsselspieler Lars Wendt mit seinen sechs Punkten in Serie eingeleitet hatte.
Wstfalen-Blatt Artikel vom 29.11.2010
Top-Leichtathletik







