SCP:»Wir sind nicht der FC St. Pauli«
Paderborn (WB). Marcus Rüther leitet seit dem 1. April 2004 die Marketing-Abteilung des SC Paderborn. Der 41-Jährige fing in Liga drei mit 40 Gönnern an und baute den Sponsorenpool auf 250 Werbepartner aus. Über das Image des Klubs und die Vermarktungsmöglichkeiten sprach er mit Matthias Reichstein.Für Marketing-Chef Marcus Rüther ist bei der Vermarktung auch regional noch was möglich: »Aus Verl habe ich kürzlich das Elektro-Unternehmen Beckhoff für uns gewonnen. Die Firma kommt zu uns und geht nicht zur Arminia. Das ist ein schönes Signal.«Foto: Stefan Hörttrich
Herr Rüther, hat der SC Paderborn ein Image-Problem?Marcus Rüther: Wir haben in der Region ein gutes Image. Wir sind familienfreundlich, offen, bieten einen guten Service im Stadion, gehen auf die Schulen zu und engagieren uns in sozialen Projekten. Das wird auch honoriert.
Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Volkmann ist regional das Werbepotenzial ausgereizt.Rüther: Wir haben die Hausaufgaben gemacht. Zurzeit wachsen wir aber noch zwiebelringartig. Aktuell versuche ich, uns im Hochsauerlandkreis zu vermarkten.
Warum hat der SC Paderborn keinen überregional agierenden Großsponsor?Rüther: Diese Unternehmen arbeiten ausschließlich mit Werbe-Agenturen zusammen. Die schauen im Fußball nur in die 1. Liga und dort auch nur bis zu den Uefa-Cup-Plätzen. Danach sind nur noch Mannschaften mit nationaler Ausstrahlung interessant. Ein gutes Beispiel ist der FC St. Pauli. Die Totenkopfflagge kennt jeder, dieser Klub ist eine nationale Marke. Das sind wir nicht. Aber das geht anderen ähnlich: Bei den kleineren Klubs der 1. Liga und fast in der gesamten 2. Liga finden Sie den Sponsorenpool auch nur rund um den Kirchturm.
Was muss der SCP an seiner Außendarstellung ändern? Rüther: Bundesweit fehlen uns noch ein paar Jahre in der 2. Liga. Wenn es schneller gehen soll, dann müssten wir im DFB-Pokal mal bis ins Finale kommen.
Wie sehr hilft ein Heimsieg gegen Hertha?Rüther: Das beste Argument sind immer sportliche Top-Leistungen. Der Sieg am Sonntag gegen den ungeschlagenen Tabellenführer hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Und genau das bringt uns auf Dauer die nötige Anerkennung bei den Konzernen. Aktuell gelten wir - auch wenn wir als SCP jetzt das fünfte Zweitligajahr seit 2005 absolvieren - noch immer als der Newcomer.
Liga-Zugehörigkeit und Tradition allein reichen aber auch zwingend. Rüther: Das ist richtig. Greuther Fürth ist ein Zweitliga-Dino, der sauber geführt wird, seit Jahren am Aufstieg in die 1. Liga kratzt und trotzdem kommen auch dort alle Sponsoren aus der Region. Vielleicht sind Vereine wie Fürth oder Paderborn einfach nicht sexy genug. Anders ist das Image vom FC St. Pauli: Da sind Piraten in einem Verein am Werk, der neben der Spur marschiert.
Warum kokettiert der SCP nicht mit dem Image des Provinzklubs?Rüther: Nach unserem ersten Aufstieg 2005 haben wir intensiv mit einem Hersteller von Navigationsgeräten als Trikotsponsor verhandelt. Mein Grundgedanke war: Wo ist eigentlich Paderborn? Leider hat die Firma später im Bereich Motorsport investiert.
Wie sehr schmerzt es, dass laut Gerichtsbeschluss um 22 Uhr Ruhe im Stadion sein muss? Rüther: Da werden wir massiv ausgebremst. Montags schauen in Sport 1 immer eine Million zu. Da gehen uns bundesweit wichtige Kontakte flöten.
Artikel vom 11.11.2010
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